Ute-Ilse Thilo: Wanderung durch mein Leben, Kapitel 12 Zwölfte Etappe: Leben in Borkwalde

Umzug in den Wald

Borkwalde
Borkwalde
Ende des Jahres 2002 beschloß ich, eine Woche in Borkwalde zur Probe zu wohnen. Meine 1994 im Rahmen des sogenannten Aufbau Ostgekaufte 2-Zimmerwohnung am Astrid-Lindgren-Platz 6 stand mal wieder etliche Monate leer. Da ich in Berlin in einer Mietwohnung wohnte wäre es ja dumm gewesen, diese zu behalten und gleichzeitig eine freistehende Eigentumswohnung in Borkwalde zu haben.

Nach der einen Woche war mir klar: Ich ziehe um!

Vom Verkauf meiner Anteile am Lietzenseehaus hatte ich genug Geld, um das Darlehen abzuzahlen (obgleich es mir um das schöne Geld leid tat, aber.....), die Wohnung mit Ahornparkett auszulegen und streichen zu lassen. In Brandenburg ist es immer noch üblich, eine „nackte" Küche zu mieten, und ich besaß weder Küchenmöbel noch Elektrogeräte. Aber Clara hatte sich vor Kurzem eine neue, komplette Küche zugelegt. So hatte ich das Glück, ihre „alte" Küche samt elektrischer Geräte zu erben.

Im Februar 2003 zog ich bei Schneetreiben mit Sack und Pack in meine schöne Wohnung ein. Ich fand einen Möbeltischler aus Caputh, der Claras Küchenmöbel und Geräte auf Maß um- und einbauen konnte und die Küche sehr funktionsgerecht  mit der Öffnung zum Wohnzimmer einrichtete. Durch geschickte Aufteilung der Möbel hatte ich nun ein Eßzimmer, einen Wohnzimmer~ und einen Arbeitsbereich. Das Schlafzimmer hatte ich im Erkerzimmer eingerichtet.

Ich war sehr glücklich, nachdem alles meinen Vorstellungen an Ort und Stelle entsprach. Am ersten Abend stand ich auf der Terrasse und lauschte. Ich hörte „tosende" Ruhe, meinen eigenen Atem und von Zeit zu Zeit ein paar Vögel zwitschern. Ein tiefes Glücksgefühl durchströmte mich:

Hier bleibe ich bis ans Ende meiner Tage!

Im Frühjahr ließ ich einen Teil der Balkonumrandung wegnehmen und um das 25 m² große Gärtchen einen Zaun ziehen. Dieses Gärtchen bepflanzte ich mit Rosen, einem Mandelbäumchen und Tulpen.

Um Kontakte zu den Menschen in Borkwalde zu bekommen, trat ich sehr bald dem „Kulturverein Zauche e.V." bei und fühlte mich bei diesen aktiven Menschen aufgehoben. Für lange Jahre war das mein aktives Standbein hier. Jedes Jahr wurde das „Pippi L.-Fest" zu Midsommar gefeiert, zum Schulbeginn gab es ein Vergnügen, das Erntedankfest fand an der kleinen Waldkirche mit Musik und Tanz der Senioren-Tanzgruppe statt, und jedes Jahr organisierten wir einen kleine, feinen Weihnachtsmarkt.

Hier ein Foto vom inzwischen in Sommerfest umbenannten Pippi-L.-Fest 2014, bei dem Heide, die gleich eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen wird, als Rockerin auftritt (etwa ab Minute 21:15 min):

Neue alte Bekanntschaft

Nachdem ich mit meiner Mutter um meinen Geburtstag herum im Mai 2003 für zwei Wochen in Ahrenshoop Ferien gemacht hatte, war nach meiner Rückkehr auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht. Eine Frau Heide Hauser hatte gehört, ich wolle hier eine Bücherei aufmachen. (Das hatte ich nie vor!) Deswegen wollte sie mir ein paar Bücher bringen.

Ich rief der Höflichkeit halber zurück. Nachdem das Gespräch eine Weile dauerte, lud sie mich zum Kaffee ein. Sie wohnte nicht weit entfernt in der Birkenstraße. So nahm ich meinen Sonntagskuchen, ein kleines Sträußchen aus meinem Garten und ging zu ihr. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und Liebe.

Im Lauf der kommenden Monate fanden wir so viele Gemeinsamkeiten in unserem bisherigen Leben, angefangen mit derselben Grundschulklasse, in die wir gegangen waren. Es war erstaunlich, wie oft wir ähnliche Orte aufgesucht, in der Nähe gearbeitet oder gewohnt hatten, wie viele Menschen wir gemeinsam kannten. Seit unserer Grundschulzeit waren wir offensichtlich mit einem unsichtbaren Band verbunden. Nun wurde es wirklich Zeit, daß wir uns verbündelten!!!

Gleichzeitig mit mir zogen mir gegenüber zwei Frauen ein: Monika und Ute. Beide Frauen wurden unsere verlässlichen Freundinnen.

Mein Enkel René war an vielen Wochenenden bei mir zu Besuch, wir spielten im Wäldchen Fußball und in der Wohnung Gesellschaftsspiele. Es waren nette Besuche bei der Ona (so nannte er mich).

Tod meiner Mutter

Anfang 2004 verstarb meine Mutter. Ich organisierte mit Heide zusammen die Beerdigung und den anschließenden Leichenschmaus. Mein Onkel Hans-Georg und seine Frau kamen, die Verwandtschaft aus Warnemünde, Clara und Familie und Tine. Mein Bruder mit Frau trat wieder in Erscheinung, um - böse gesagt - nach dem Erbe zu schauen.

Aber meine Mutter hatte ihn enterbt, so daß ihm nur das Pflichtteil zustand. Allerdings wollte er von mir genau belegt haben, welche Summen ich wofür ausgegeben hatte. (Mit der Wahl des Lokals zum Schmaus war er nicht einverstanden, zu poplich.) Aber ich weigerte mich, diese Nachweise zu erbringen. Nach der Beerdigung habe ich nie wieder etwas von ihm gehört, wie auch jahrelang vorher nicht. Er war eben noch nie ein netter Bruder!!!

Weitere Umzüge

Die Wohnung in Berlin war nun verwaist. Weder Heide noch ich wollten wieder zurück ins laute Berlin. Ich annoncierte die Wohnung in der Friedrichsruher Straße zum Verkauf und fand auch bald einen Käufer, der für eine angemessene Summe die Wohnung übernahm.

Meinen 60ten Geburtstag feierten wir mit Clara & Co. in Borkwalde. René kam weiterhin an Wochenenden zu mir bzw. zu uns.

Heide und ich waren zwischen unseren beiden Wohnungen, die eine Astrid-Lindgren-Pl. 6, die andere Birkenstr. 105, immer mit kleinen Köfferchen ausgestattet auf der Wanderung. Sicher, jeder Gang macht schlank, aber es fehlte immer etwas im Gepäck. Wir beschlossen zusammenzuziehen. Aber Heide war fürs dauerhafte Wohnen meine Wohnung nicht angenehm. Die Bäume hinderten am Weitblick, die recht nahe Durchgangsstraße war zu laut und die Nachbarschaft hätte nervend werden können.

Unsere liebe Ärztin Sabine wollte nach Borkheide ziehen. Ihre 4-Zimmerwohnung wurde somit frei. Sofort unterschrieben wir den Mietvertrag, packten unsere gesamten Plünnen, engagierten ein Umzugsunternehmen und zogen in die Kiefernstr. 19.

Fix und fertig
Fix und fertig
Mein Schützenverein Clara & Co., alle drei sind im Sternbild des Schützen geboren, ist ein wanderlustiges Trio. Sie zogen beruflich bedingt in die Schweiz. Im März 2005besuchten wir sie.

In den Bergen lag noch Schnee und Clara & Co. sind begeisterte Skifahrer. Beim Umzug hatten sie Heides Skibob mitgenommen. So konnte Heide nicht anders, als ihn auf der Piste seit langem wieder auszuprobieren. Trotz meiner Bedenken ist nichts passiert, sie kam zweimal heil herunter.

Noch einmal zog es sie in die Ferne, aber letztendlich nach Berlin zurück an den Lietzensee.

Durch dieses Hin- und Herziehen verringerte sich der Kontakt zunehmend und kam dann ganz zum Erliegen, was ich bedauerte. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Krankheit und Heirat

Im April 2005 wurde bei Heide Darmkrebs diagnostiziert und eine sofortige Operation war nicht zu vermeiden. Sie verlief gut, und anschließend begann die Chemotherapie mit Tabletten, die üble Auswirkungen hatten.

Wir beide
Wir beide
Inzwischen waren die Gesetze so geändert worden, daß homoerotische Paare eine eingetragene Partnerschaft eingehen konnten. Deswegen beschlossen wir zu heiraten. Gemeinsam mit unseren Freundinnen fuhren wir am 12. Mai 2005 zum Standesamt im Amt Brück, um eine Doppelhochzeit zu feiern. Die Standesbeamtin hatte sich viele Gedanken um ihre Rede gemacht, es war ihre erste Verehelichung zweier gleichgeschlechtlicher Paare. Wir waren begeistert von der Rede.

In den „Siedlerstuben" feierten wir unsere Verehelichungen. Ich war so glücklich, daß ich nicht bemerkte, wie es Heide immer schlechter ging, bis mich die Ärztin darauf hinwies. Ich wollte es wohl nicht wahr haben, sie sollte genauso glücklich feiern wie ich.

Der Rest diesen Jahres war nicht sehr erfreulich. Heide ging es zunehmend schlechter. Zweimal mußte ich sie ins Krankenhaus bringen, und mir ging es dementsprechend auch nicht wohl, weil ich hilflos war und nur zusehen konnte, wie schlimm es um sie stand. Unsere Ärztin tat ihr Bestes, um Heide zu helfen und mir Trost zuzusprechen.

Aber am Jahresende wollte ich eine Auszeit, um mir über das vergangene Jahr Gedanken zu machen. Ich verbrachte Weihnachten bei Clara & Co., Heide zog nach Berlin zu ihrem/unserem Sohn Alexander. Danach redeten wir über die vergangenen Monate, die schwerste Zeit in unserer kurzen, gemeinsamen Zeit. Wir haben es beide bewältigt und diese Bewährungsprobe in unserer kurzen Ehe bestanden. Nun stand weiteren gemeinsamen Jahren nichts mehr im Weg.

Reiselust

Unser Schiff
Unser Schiff
Da ich vom Verkauf der Wohnung in der Friedrichsruher Str. ein kleines finanzielles Polster besaß, wollten wir in die Welt hinaus und reisen. Wir entschieden uns für eine Kreuzfahrt mit dem Schiff „Albatros" von Phönix-Reisen in Richtung Norwegen, wollten wir doch beide schon immer dorthin. Ende Mai 2007buchten wir eine einwöchige Reise mit einer Freundin.

Das Wetter war köstlich, die Sonne schien, die Wasserfälle strömten die Felsen hinunter, und wir genossen diese Reise ins schöne Norwegen mit seinen beeindruckenden Landschaften, Fjorden und imposanten Bergwelt.

Trollig
Trollig
Geirangerfjord
Geirangerfjord
Wasserfall am Geiranger
Wasserfall am Geiranger

Teufel Alkohol

Zurück Zuhause stand uns nun die nächste Veränderung ins Haus. Von unseren Umzügen her kannten wir den Handwerker J., der sehr patent und zuverlässig in vielen Dingen war. Er träumte immer davon, ein eigenes Haus zu bewohnen. Durch Beziehung bekam er eines mit 2000 m² Gartenfläche, einem Steinhaus und 5 Garagen angeboten. Gemeinsam schauten wir uns das Grundstückan und beschlossen, mit ihm zusammen (wegen der Größe) das Ganze zu erwerben.

J. zog in das renovierungsbedürftige Steinhaus, zahlte die monatlichen Raten an das BHW und nach Abzahlung, hatten wir notariell vereinbart, sollte das ganze Anwesen an ihn übertragen werden.

Wir waren eine Eigentümergemeinschaft, J. zu einem Drittel und auch wir beide zu je einem Drittel. Das Gartengelände hinter Haus und Garagen war beinah baumlos, bis auf drei Kiefern, einer Eiche, einem schönen Fliederbusch und anderen kleinen Gehölzen. Vom Vorbesitzer lagen und standen etliche Baumaterialien herum, die wir forträumen mußten, um eine Hütte für uns errichten zu können, denn wir wollten ja das uns nun gehörende Grundstück nutzen.

Also kauften wir uns ein Blockhaus. J. legte uns das Fundament. Das Häuschen wurde in Einzelteilen geliefert und wir bekamen zum Zusammenzimmern Hilfe von drei Freunden.

Holz auf Holz
Holz auf Holz
Brauchen wir eine Tür?
Brauchen wir eine Tür?
Wir hätten so friedlich gemeinsam hier sein können, wenn nicht J. dem Teufel Alkohol verfallen wäre. Als er deswegen seinen Führerschein verlor, erklärte sich Heide bereit, ihn zu seinen Baustellen zu fahren, dort zu warten, bis er Feierabend machte. Ich schaute mir das eine Weile an, dann platzte mir der Kragen. Ich wollte nicht, daß Heide zur Co-Alkoholikerin wurde.

Wer mit Alkoholkranken zu tun hat, kennt den Kreislauf dieser Krankheit, das ewige Auf und Ab. Die Hoffnung, daß dieser Mensch den Auslöser der Sucht findet und bearbeitet bleibt. Sie wird aber oft enttäuscht.

Diese ganze Situation vergällte mir den Garten. Aber ich wollte ihn Heide zu liebe weiter nutzen. Wir pflanzten Blumen, bauten ein Hochbeet z.B. für Kürbis, Tomaten und Gurken. Da J. öfter abwesend war, wurde die Situation für mich erträglich und sehr oft gemütlich.

Weitere Bauprojekte

Auf dem Grundstück stand vom Vorbesitzer ein Swimmingpool. Das war wunderbar. Er war groß genug, um immer im Kreis herum schwimmen zu können und sich im Sommer zu erfrischen. Aber es fiel so allerlei Getier, Ästchen u.a. vom Himmel, so daß wir immer fischen gehen mußten.

Stein auf Stein
Stein auf Stein
Die Mauer steht
Die Mauer steht
Das Dach
Das Dach
Ab ins kühle Nass
Ab ins kühle Nass
Vom Verkauf der Wohnung in der Friedrichsruher Str. in Berlin war noch genug Geld vorhanden, um das Blockhaus zu kaufen, es reichte auch für eine Überdachung des Pools. Wir suchten eine ansprechende Überdachung aus und noch im Sommer wurde sie geliefert und aufgebaut. Zuvor aber mußte der freistehende Pool ringsum eine Mauer erhalten, um die Überdachung montieren zu können.

Ein Bekannter, J. war mal wieder nicht in der Lage ..., mauerte uns das samt Treppe. Ein Häuschen für die Pumpe zimmerte Heide. Jetzt konnte alles fertig gestellt werden.

Trollshüs und Tönnchen
Trollshüs und Tönnchen
Aber im Blockhaus reichte der Platz nicht für alles, was man so braucht, um draußen auch mal zu übernachten, zu kochen, sich zu waschen, dringende Bedürfnisse zu verrichten und die Gartengerätschaften unterzubringen. Ein weiteres Häuschen mußte her. Beim Baumarkt fanden wir ein Gerätehaus mit Tonnendach, das den Sommer über als Ausstellungsstück gedient hatte. Es war somit preiswerter und wurde uns geliefert. Freund Peter verlegte Wasser, baute ein Waschbecken ins „Tönnchen", und wir stellten ein Bioklo hinein. Jetzt waren wir komplett.

Mit J. ging es immer hin und her, mal war er da, dann wieder auf Entzug, wieder Krankenhaus oder Rehabilitation .... Wir waren aneinander gebunden bis 2018, bis dahin mußte J. den Bausparvertrag abzahlen, denn die Raten wollten und konnten wir nicht tragen. Ich versuchte mehr und mehr, mit der Situation zu leben, Garten und Pool zu genießen. Zeitweilig gelang es mir, dann hatte ich wieder eine Wut auf J., daß er nicht verantwortungsvoll mit seinem Leben umgehen kann. Aber die Achterbahn wird immer flacher.

Der Mieter in Heides Wohnung in der Birkenstr 105 zog im Oktober 2008 aus und auch die Mieterin der Nachbarwohnung verließ ihre. Bei einem Spaziergang die Kiefernstr. entlang kam mir die glorreiche Idee, daß wir beide Wohnungen zusammenlegen und hier in vier Zimmern wohnen könnten. Ich mietete die zweite Wohnung, und wir planten einen Durchbruch in Heides Räume. Gedacht und getan; beide Wohnungen ließen wir mit Laminat auslegen. J. war gerade mal nüchtern und in der Lage, uns zu helfen. Die Küchenmöbel aus der Kiefernstr. wurden an den neuen Küchenraum angepaßt, und alles wurde schick und schön. Von nun an lebten wir in unserem „Loft" mit drei Balkonen. Alle beneideten uns um dieses Domizil, das wir bis 2011 genossen.

Ungebrochene Reiselust

Schiffglocke der
Schiffglocke der "Polarlys" (dt. Polarlicht)
Unsere Reiselust war ungebremst. Wir wollten noch einmal nach Norwegen mit dem Schiff. Diesmal enterten wir die „Polarlys", ein mittleres Schiff der „Hurtigruten". Zehn Tage im März 2009 fuhren wir auf diesem Schiff von Bergen aus die norwegische Küste entlang gen Norden über den Polarkreis, das Nordkap bis nach Kirkenes hinauf und zurück gen Süden nach Trondheim.

Die Hurtigruten-Schiffe sind ein normales Verkehrsmittel in Norwegen, die sowohl Passagiere als auch Waren aller Art transportieren. An jedem angelaufenen Hafen hingen wir an der Reeling und bestaunten das Aus- und Einladen der Güter vom Holz, über Schneescooter bis zu Sofagarnituren. Norweger und Touristen benutzten das Schiff wie einen Bus, um von A nach B zu gelangen. Es waren spannende und genußreiche Tage, selbst bei Windstärke 9 wurden wir nicht seekrank.

Neptun
Neptun
Urkunde
Urkunde
Der Polarkreis
Der Polarkreis
Zur Polartaufe kam Neptun, um uns mit Eisstücken in eiskaltem Wasser, in den Nacken gegossen, zu taufen. Zur Belohnung bekam jeder Täufling einen Schnaps und eine Urkunde.

In Tromsø hatten wir eine Hundeschlittenfahrt gebucht. Alle Wagemutigen wurden in dicke Overalls gestopft. Durch tiefen Schnee stapften wir zu den Hundeschlitten. Der Schlittenführer schoß noch schnell ein Foto von uns, und ab ging es in rasender Fahrt mit den schnellen Hunden: Was für ein Erlebnis!!!

Ein paar weibliche Schlittenhunde hatten gerade Junge bekommen. Wir durften sie im Zwinger bewundern. Heide hatte einen kleinen, weißen Welpen im Arm und hätte ihn am liebsten sofort mit nach Haus genommen. Aber ...

Hundeschlittenverein
Hundeschlittenverein
Los geht die wilde Fahrt
Los geht die wilde Fahrt
Mitnehmen!
Mitnehmen!
Urkunde
Urkunde
Nordkapsymbol
Nordkapsymbol
Rauchender Berg
Rauchender Berg

Zum Abschluß wurden wir am Lagerfeuer mit Kaffee und Kuchen verwöhnt. Die nächste Urkunde dieser Reise erhielten wir am Nordkap. Ein großer Schneeschieber mußte uns den Weg zur Felsspitze frei schieben, sonst wären die Busse im Schnee stecken geblieben. Am Nordkap selbst aber strahlte die Sonne vom Himmel, um auf der Rückfahrt einem Schneesturm zu weichen.

Trollig
Trollig
Außerhalb der Mahlzeiten waren wir ständig auf irgendeinem Deck des Schiffes, um die grandiose Landschaft mit den Augen und dem Fotoapparat fest zu halten. An einem Abend hatten wir das große Glück, ein Polarlichtgeschenkt zu bekommen. Zwei große, grüne Engelsflügel schwebten am Himmel und winkten uns lange Zeit zu. Ich wurde ganz andächtig bei diesem Himmelswunder.

Auf dem Rückweg gen Süden erlebten wir eine stürmische Nacht bei Windstärke 9, bei einem Ausflug auf die Lofoten einen mächtigen Schneesturm, sonst wechselten sich Sonne und Wolken ab, um die bergige Küstenwelt in stets abwechslungsreiches Licht zu tauchen. Diese Reise war die schönste unserer Schiffstouren.

Zu unseren Geburtstagen und Hochzeitstagen strebten wir meistens in die Ferne. Den Hochzeitstag im Mai 2009 verlebten wir in Quedlinburg. Wir quartierten uns für ein paar Tage in das Fachwerkhotel „Vorhof zur Hölle" ein und erkundeten den wunderbar restaurierten Ort mit seinen mittelalterlichen Fachwerkhäusern.

Da wir beide nun im Harz waren war die Fahrt zum Brocken und hinauf mit der Harzer Schmalspurbahn ein MUSS. Unter Volldampf erklommen wir den kurvigen Schienenweg auf den 1142 m hohen Brocken. Die Aussicht war nicht von Wolken getrübt, und wir wanderten eine ganze Weile auf dem Plateau herum, bis uns die nächste „Schnaufbahn" wieder hinunter beförderte.

In diesem Jahr feierten wir beide unseren 65. Geburtstag. Meinen hatten wir in Quedlinburg verlebt, nun fuhren wir im Oktober noch einmal in den Harz nach Elend, um Heides zu feiern. Zu ihrer größten Freude hatte ich im Geheimen unseren Sohn Alexander mit Freundin eingeladen, um den Tag gemeinsam zu verleben. Das war eine gelungene Überraschung, und Heide freute sich sehr.

Unsere Reiselust war immer noch ungebrochen. Wir unternahmen noch zwei weitere Schiffsreisen mit der „Albatros" von Phönix-Reisen:

Beide Reisen hinterließen bleibende Eindrücke, und natürlich füllten unsere fotographischen Einsätze viele Alben. So können wir, wann immer wir wollen, diese Reisen noch einmal mit den Augen unternehmen.

Mal wieder Umzug

Wir mußten weiter unser Leben in Bewegung halten, und mal wieder die Wohnsituation ändern. Durch die schönen Reisen waren die Konten erheblich geschrumpft. Wir konnten uns die große Doppelwohnung nicht mehr leisten. So lautete der Entschluß: Verkleinern, Mietwohnung kündigen, den Durchbruch wieder schließen, die Küche umbauen.

Meine „überflüssigen" Möbel, die ich für Tine aufheben wollte, stellten wir in einen dazu gemieteten Keller im Haus Astrid-Lindgren-Platz 6 unter, zusammen mit unserem Oster- und Weihnachtsschmuck und allem Übrigen, das in der Birkenstraße in einem zweiten Keller verstaut war, der nur mitgemietet war.

„Haltet ihr das aus in der kleinen Wohnung", fragten uns alle. Wir fühlen uns sehr wohl in unserem Iglu, so nannte Monika unser Zuhaus,) und leben ohne Streit friedlich miteinander.

Weihnachten 2010 waren wir mit allem fertig und zufrieden.

Der Brand

Dann kam am Pfingstsonnabend 2011 morgens um 5.15 Uhr ein Anruf von Monika: „Euer Haus brennt!" Schnell einen Happen gegessen, und wir flitzten zum Brandort. Das Dachgeschoss brannte lichterloh.

Es brennt!
Es brennt!

Drei Tage mußte die Feuerwehr löschen, denn in der Dämmwolle zwischen den Wänden glimmte es immer weiter. Zum Glück ist kein Mieter körperlich zu Schaden gekommen und allen konnte unsere Hausverwaltung eine Ersatzwohnung anbieten. Welch Glück im Unglück!

Der traurige Rest
Der traurige Rest
Das war mal „mein“ Haus
Das war mal „mein“ Haus
Meine Wohnung war zwar vom Brand verschont worden, doch durch das Löschwasser sehr geschädigt: das Ahornparkett glich einer Dauerwelle, die Tapeten fielen von den Wänden, und es stank. Der Keller des Hauses stand hüfthoch in einer schwarzen Brühe, und alles Hab und Gut in den Räumen konnte nur noch entsorgt werden. Uns war zum Heulen zumute!!!

Das war der traurige Rest eines Hauses und meiner Wohnung

Unsere Hausratversicherung hat anstandslos unseren Verlust ausgeglichen, aber von Zeit zu Zeit fallen uns Dinge ein, die nicht mehr da sind. „Sie waren im Swimmingpool", sagte Heide dann.

Der Brand hatte auch ein klein wenig etwas Gutes: Wir haben uns von etlichen Dingen entlastet. Auch müssen wir beim Suchen verschiedener Sachen nicht mehr überlegen, in welchem Keller ist dies und das. Aber es tut mir so leid um die Möbel u.ä., die ich an Tine weitergeben wollte.

Nun habe ich keine Wohnung mehr im Haus Astrid-Lindgren-Platz 6.

Doch die Eigentümergemeinschaft ist laut Teilungserklärung gezwungen, das Haus so wieder aufzubauen. Nun warten wir alle auf das O.K. der verflixten AXA-Versicherung, damit das Haus neu aufgebaut werden kann. Die AXA verzögert alles mit immer neuen Forderungen, es ist eine Schweinerei! Es ist nun über ein Jahr her und bis auf den Abriß steht in den Sternen, wann das Haus Nr. 6 je wieder neu entsteht.

Und nun, nach mehr als zwei Jahren ist alles noch immer unklar. Schauen wir mal ...

Vorläufiger Abspann

Soweit ein paar Erinnerungen aus sechs Jahrzehnten.

Heide und ich leben glücklich und zufrieden weiterhin zusammen, ohne Streitereien, mit vielen Gelegenheiten zum Lachen und Freuen und hoffentlich noch viele, viele Jahre. Wir werden weiterhin Reisen unternehmen und uns mit unseren Kindern treffen. Hoffentlich auch eines Tages mal mit Clara.

Geschrieben von Mai 2012 bis Juli 2013